Kössler Christoph

Landschaftlich und kulinarisch gibt es im Brennereidorf Stanz bei Landeck viel zu entdecken. Wer sich die Mühe macht, das kleine Dorf und seine Umgebung zu Fuß zu erkunden, wird mit einer unglaublichen Fülle an Eindrücken belohnt. Uralte Flurformen, schmale Terrassen, halb verfallene Lesesteinmauern, die Spuren alter Bewässerungskanäle, duftende Heuschober, Ziegenweiden und Strauchbänder zeichnen ein lebhaftes Natur-Panoptikum. Obst gedeiht auf den sonnenverwöhnten Hängen allerorten, ob auf knorrigen Halbstammbäumen oder auf Ästen, die sich entlang mannshoher Spaliere winden. Auch der Gang durch das stille Dorf inspiriert die Sinne. Hübsche Gässchen, auf jedem freien Platz ein Strauch mit Früchten, Häuser die sich eng aneinander ducken. Mitten drin wohnt Christoph Kössler, der berühmte Tiroler Edelbrand-Meister.

Kössler Christoph HNr. 57 6500 Stanz bei Landeck Map Telefon: 05442 61 200 Email: koessler@edelbraendetirol.at Webseite: www.edlebraendetirol.at

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Weitere Informationen

Ein vitales Haus mit Geschichte

„Jakob Prandtauers Geburtshaus“ informiert die Aufschrift über der Einfahrt vor Kösslers Haus. Hier war der bekannteste österreichische Barockbaumeister daheim. Ein stilisierter Baum, eine filigran gestaltete Sonnenuhr und zwei Heilige zieren die Fassade. Eine zarte Laube aus sonnenverbrämten Holz spannt sich unter den First. Hinter den schlicht gemauerten Wänden verbirgt sich eine 300 Jahre alte Zirbenstube. Sie ist liebevoll restauriert und hat ihren alten Charme behalten. Der Kachelofen, die Stubentische und der Riemenboden, die getäfelten Wände und ein hölzernes „Bankl“ dürfen ganz pur und authentisch sein. Christoph Kössler erzählt: „Unserer Familie gehört das Haus seit Generationen. Es geht hier sehr lebendig zu, denn es ist ein Wohnhaus und kein Museum.“ Zu Verkostungen lädt Christoph Kössler in die wunderschöne Zirbenstube ein. Nebenan, im Gebäude aus Bachsteinmauern und dunkel gegerbten Holzwänden, hat er einen Ausstellungsraum, die kupferne „kleine“ Brennanlage und ebenfalls eine gemütliche Verkoster-Ecke eingerichtet.

Berühmt für die Fruchtigkeit

Christoph Kössler ist gelernter Koch. Und nun auch einer der berühmtesten Edelbrand- Hersteller Österreichs. Er beschritt seinen Weg zur Perfektion konsequent und selbstbewusst. Die Schnapsbrenner im Dorf – in jedem zweiten Haus wird gebrannt – schüttelten in den 1990er Jahren unverständig den Kopf. „Was brennst du denn da?“ Erlesenes Tafelobst maischte Christoph ein. Er pendelte seine fruchtigen Tropfen auf einen Alkoholgehalt von vierzig Volumenprozent ein, nicht auf fünfzig wie die Nachbarn. Kössler-Edelbrände überzeugten mit ihrer delikaten Fruchtigkeit die Fachwelt. Bald gab es keine Verkostung, die nicht seinen Produkten die Höchstnote, eine Goldmedaille oder den Rang „Destillery oft the year“ verliehen hätte: Tiroler Landesprämierung, Destillata, Gault Millau, World Spirits Award. Auf der Karriereleiter zum renommierten Spitzenbrenner nennt Christoph Kössler markante Bausteine: „Die Destillata hat mir früh die Augen und den Zugang zu Kollegen geöffnet und der World Spirits Award war der Aufstieg in die Oberliga.“ Nun tüftelt er an neuen Kreationen und Formen des Genusses, experimentiert zum Beispiel mit Edelbrand- Aroma-Zerstäuber und Kombinationen mit feiner Schokolade wie Tiroler Edle.

Pure Natur und High-Tech vis-à-vis

Hinter dem Wohnhaus der Familie Kössler beginnt der Obstgarten. Williamsbirnen, Stanzer Zwetschke, Apfelbäume. Diesen „Klassikern“ entlockt der Paradebrenner die feinsten Aroma-Nuancen. Kössler: „Der zarte Apfel hat es schwer gegen den intensiven Duft der Birne. Die Zwetschke ist schon am Baum honigsüß und im Duft umwerfend.“ Die eigene Ernte und zugekauftes erstklassiges Obst aus Tirol wandern in die verglaste Produktionsstätte direkt neben den Baumreihen. Blitzende Edelstahltanks, eine hochmoderne Edelstahl-Brennanlage und unzählige Messuhren, Leitungen, Pumpen, Trichter und Plomben zeigen: hier wird blitzsauber und mit Ingenieurs-Genauigkeit gearbeitet. Bei der Brennereiführung werden die Arbeitsabläufe geschildert. Vom Obstgarten durch die Brennanlagen bis zum abgefüllten edlen Tropfen begleitet der Experte seine Besucher. Christoph Kössler erzählt dabei voll Idealismus und Begeisterung: Von den Tücken des Gärens, über die Philosophie der Lagerung in Eichenfässern, über feine Nasen und die Herstellung von Edelbränden in anderen Ländern. Seine fast 40 Edelbrände und 10 Liköre sind eine Meisterleistung für den Tiroler Familienbetrieb. Christoph Kössler ist tief verbunden mit dem kleinen Dorf am Sonnenhang, doch seine kulinarischen Meisterwerke tragen den Namen weit über die Heimat hinaus - wie damals die schönen barocken Gebäude den Namen Prandtauer.